Die gängigen Checklisten wurden an Jungen entwickelt. Bei Mädchen sieht Autismus oft komplett anders aus, und genau deshalb wird es so häufig übersehen.
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Autismus bei Mädchen wird im Schnitt deutlich später erkannt als bei Jungen, oft erst mit 14, 20 oder sogar erst im Erwachsenenalter. Der Grund liegt selten daran, dass die Anzeichen fehlen. Er liegt daran, dass viele Mädchen früh lernen, ihre Besonderheiten zu maskieren, also aktiv zu verbergen, um dazuzugehören.
Eine viel zitierte Meta-Analyse (Loomes, Hull & Mandy, 2017) zeigt den Unterschied deutlich: Klinisch wird Autismus bei Jungen etwa 4,5-mal häufiger diagnostiziert als bei Mädchen, das tatsächliche Verhältnis in der Bevölkerung liegt aber eher bei 3 zu 1. Die Lücke dazwischen sind vor allem Mädchen, die einfach übersehen werden.
Die meisten diagnostischen Kriterien und Beobachtungsraster wurden ursprünglich an Jungen entwickelt. Autistische Mädchen zeigen ihre Besonderheiten aber oft leiser und unauffälliger:
Masking bedeutet, dass ein Kind bewusst oder unbewusst lernt, autistische Verhaltensweisen zu unterdrücken oder zu übertragen: Mimik kopieren, Blickkontakt erzwingen, zur richtigen Zeit lächeln, auch wenn der Witz nicht verstanden wurde. Das kostet enorm viel Energie, den ganzen Tag über, und fällt Außenstehenden kaum auf. Genau deshalb wirken viele Mädchen in der Schule unauffällig und brechen erst zuhause zusammen, wenn die Anstrengung des Tages sich entlädt.
Viele Eltern und auch viele Frauen selbst reagieren auf eine späte Diagnose zuerst mit Erleichterung, dann mit Trauer über die Jahre, in denen niemand hingesehen hat. Beides ist normal. Eine späte Diagnose ändert nichts an der Vergangenheit, aber sie ändert, wie Verhalten ab jetzt eingeordnet wird: nicht mehr als Schwäche oder Eigenart, sondern als Ausdruck eines Nervensystems, das anders arbeitet.
Calma erklärt, wie sich Autismus bei Mädchen äußert und wie du eine späte Diagnose einordnest, ohne dir selbst Vorwürfe zu machen.
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