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Emotionen · Wahrnehmung

Alexithymie: Wenn dein Kind seine eigenen Gefühle nicht benennen kann

Du fragst "Wie geht es dir?" und bekommst ein Schulterzucken. Das ist selten Verweigerung. Bei vielen neurodivergenten Kindern fehlt schlicht der Zugang zu den eigenen Gefühlen.

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Die Kernbotschaft zuerst

Alexithymie bezeichnet Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen, zu unterscheiden und in Worte zu fassen. Eine große Meta-Analyse (Kinnaird et al., 2019) fand Alexithymie bei rund 50 Prozent der autistischen Menschen, gegenüber knapp 5 Prozent in der Allgemeinbevölkerung. Es ist kein Mangel an Gefühlen, sondern ein fehlender Zugang dazu.

Wie sich das im Alltag zeigt

  • "Ich weiß nicht" ist auf "Wie geht es dir?" eine ehrliche Antwort, keine Ausrede
  • Gefühle werden oft erst über den Körper bemerkt, etwa Bauchschmerzen oder Anspannung, nicht als benannte Emotion
  • Freude, Wut und Angst können sich äußerlich sehr ähnlich anfühlen und schwer zu unterscheiden sein
  • Manchmal wird ein Gefühl erst Stunden später bemerkt, wenn die Situation längst vorbei ist

Der Denkfehler, den viele Eltern machen

"Er will einfach nicht drüber reden" ist meist die falsche Deutung. Wer keinen Zugang zum eigenen Gefühl hat, kann es auch nicht mitteilen, unabhängig vom Willen dazu.

Wichtig zu wissen
Gefühlssprache funktioniert bei Alexithymie oft schlecht. Körpergefühl-Sprache funktioniert oft besser: "Ist dein Bauch eng?" statt "Bist du traurig?"

Was im Alltag hilft

  • Körperliche Formulierungen anbieten statt Gefühlsnamen einzufordern
  • Visuelle Gefühlskarten oder Skalen nutzen, statt nur Worte zu erwarten
  • Nicht nachbohren, wenn "ich weiß nicht" die ehrliche Antwort ist
  • Eigene Gefühle laut vorleben und benennen, das gibt Vokabular ohne Druck

Was du jetzt konkret tun kannst

Biete konkrete Körperfragen statt abstrakter Gefühlsfragen an, und akzeptiere "ich weiß nicht" als vollwertige Antwort. Mit der Zeit und ohne Druck entwickeln viele Kinder eigene Wege, ihren Zustand zu beschreiben.

Dieser Artikel ersetzt keine Diagnostik. Er hilft, ein häufig übersehenes Muster besser zu verstehen.
Tiefer verstehen

Gefühle verstehen, auch wenn sie schwer zu benennen sind

Calma zeigt dir, wie emotionale Verarbeitung bei Autismus und ADHS wirklich funktioniert, und wie du eine Sprache findest, die auch ohne klassische Gefühlswörter funktioniert.

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Häufige Fragen

Bedeutet das, mein Kind hat keine Gefühle?
Nein. Die Gefühle sind da, nur der bewusste Zugang und die Fähigkeit, sie zu benennen, fehlen oft. Das ist ein Wahrnehmungsunterschied, kein Mangel an Empfindung.
Kann man das lernen?
Teilweise. Körpergefühl-Sprache und visuelle Hilfsmittel können den Zugang erleichtern, auch wenn klassische Gefühlsbenennung schwierig bleibt.
Betrifft das nur Autismus?
Alexithymie kommt am häufigsten bei Autismus vor, tritt aber auch unabhängig davon und bei anderen neurodivergenten Profilen auf.